Ernst & Young: Schwacher Euro verhilft DAX-Konzernen zu starkem Umsatzwachstum

Stuttgart (19. 5.15) – Starker Jahresauftakt für Deutschlands Top-Unternehmen: Bis auf zwei konnten alle DAX-Konzerne ihre Umsätze im ersten Quartal steigern – insgesamt gelang ihnen ein Plus von neun Prozent von 307 auf 336 Milliarden Euro. Massiven Rückenwind bekamen die Unternehmen dabei vom schwachen Euro: Nach EY-Schätzung verzeichneten die Unternehmen positive Währungseffekte von mindestens 17 Milliarden Euro. Das heißt: Mindestens 60 Prozent ihres Umsatzwachstums verdanken die DAX-Konzerne dem schwachen Euro.

Beim Gewinn war die Entwicklung deutlich weniger positiv: Insgesamt steigerten die DAX-Unternehmen ihren operativen Gewinn (EBIT) um drei Prozent von 31,8 auf 32,8 Milliarden Euro. Die operative Marge der DAX-Konzerne sank daher von 9,7 auf 9,1 Prozent. Immerhin zwölf Unternehmen verzeichneten allerdings einen Gewinnrückgang. Dennoch: Der Gewinn – und auch der Umsatz – der DAX-Konzerne fielen im ersten Quartal dieses Jahres so hoch aus wie noch nie zuvor in einem ersten Quartal. Spitzenreiter beim Gewinn waren die Autokonzerne Volkswagen (3,3 Milliarden) und Daimler (2,9 Milliarden), gefolgt von Allianz (2,85 Milliarden) und Siemens (2,55 Milliarden).

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) auf der Basis der Quartalsberichte der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen. „Obwohl die Weltwirtschaft aktuell Zeichen von Schwäche zeigt, fuhren die DAX-Konzerne im ersten Quartal Rekordumsätze und -gewinne ein“, stellt Thomas Harms, Partner bei EY, fest. „Das verdanken sie allerdings zu einem erheblichen Teil dem schwachen Euro und entsprechend positiven Wechselkurseffekten. Die exportorientierten Unternehmen in Deutschland profitieren massiv vom niedrigen Eurokurs, der ihre Produkte im Ausland billiger macht bzw. zu positiven Wechselkurseffekten bei der Umrechnung in Euro führt“.

Schwacher Euro kurbelt Geschäfte außerhalb Europas an

Gegenüber dem US-Dollar und dem chinesischen Yuan hat der Euro im ersten Quartal dieses Jahres jeweils etwa 21 Prozent an Wert verloren, gegenüber dem britischen Pfund immerhin noch elf Prozent. Entsprechend gut liefen die Geschäfte vor allem außerhalb Europas: Der in Nordamerika erwirtschaftete Umsatz stieg um 26 Prozent, in Asien wuchsen die Umsätze um 15 Prozent – innerhalb Europas legten die Unternehmen hingegen nur um fünf Prozent zu.

Aufgrund des starken Umsatzwachstums in Asien und vor allem in Nordamerika ist im ersten Quartal der Umsatzanteil, den die DAX-Konzerne in Europa erwirtschaften, deutlich gesunken: von 53 auf 50 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil Nordamerikas von 21 auf 24 Prozent. Auf die Region Asien-Pazifik entfielen im ersten Quartal – wie im Vorjahr – 17 Prozent der Umsätze.

Die aktuell sehr gute Entwicklung veranlasste immerhin zehn der 30 Unternehmen, ihre Umsatz- und/oder Gewinnprognosen für das laufende Geschäftsjahr anzuheben – wobei sie zumeist Wechselkursentwicklungen als Grund nannten.

Auch die Beschäftigung legte insgesamt zu: Die Zahl der Mitarbeiter der DAX-Konzerne wuchs unterm Strich um zwei Prozent – von 3,70 auf 3,78 Millionen. Immerhin elf Unternehmen verzeichneten allerdings einen Beschäftigungsrückgang.

 „Vorsicht angebracht“

Harms warnt allerdings vor zu großem Optimismus: „Niemand kann sagen, wie lang die Euroschwäche anhält. Entscheidend wird sein, ob und wann die US-Leitzinsen angehoben werden. Vor diesem Hintergrund ist Vorsicht angebracht – vor allem sollten die Unternehmen eine realistische Bewertung der aktuellen konjunkturellen Situation in den wichtigen Regionen der Welt vornehmen. Und die dürfte ernüchternd ausfallen: In den USA hat die Wirtschaft im ersten Quartal stagniert, China kämpft mit einer nachlassenden Dynamik, nach wie vor schwelt der Ukraine-Konflikt, und auch die Schuldenkrise Griechenlands bietet weiter Konfliktpotenzial. Auch ein schwacher Euro wird nicht dauerhaft überdecken können, dass die Weltwirtschaft aktuell an Dynamik verliert“.

Vor diesem Hintergrund dürften die Unternehmen nicht nachlassen, an ihrer Effizienz und Profitabilität zu arbeiten, so Harms. „Vor allem sollten sie auf Sicht fahren – denn Volatilität ist die neue Normalität. Die Wechselkursgewinne von heute können die Wechselkursverluste von morgen sein. Darauf müssen sich die Unternehmen vorbereiten.“

Quelle: EY