Jupiter Global: Anhaltendes Wachstum in Asiens Schwellenländern? Die Chancen stehen gut

London (13.4.18) – Eine robuste Industrieproduktion, steigender Binnenkonsum, Infrastrukturausgaben und eine expansive Geldpolitik: All dies sind Faktoren, die das Wachstum der asiatischen Schwellenländer 2018 weiter vorantreiben werden. Vor dem Hintergrund grundsätzlich positiver Prognosen bevorzugen wir derzeit China, Indien und Indonesien. Es sind vor allem diese drei Länder, die 2018 und darüber hinaus am stärksten zur fortdauernden Dynamik beitragen dürften. Anleger sollten allerdings bedenken, dass ein Zoll-Streit zwischen den USA und China, die gestiegene Verschuldung des Privatsektors und der zunehmende Protektionismus den positiven Trend untergraben könnten.

Asien

Es besteht Einigkeit darüber, dass die Wachstumsaussichten für die asiatischen Schwellenländer positiv sind und dies wohl auch in den kommenden Jahren dank unerwartet hoher Zuwächse in China, Korea und den ASEAN-Ländern so bleiben wird. Institutionen wie der Internationale Währungsfonds und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung haben ihre Prognosen sogar weiter nach oben korrigiert (+1 Prozent). Sie gehen mittlerweile übereinstimmend davon aus, dass die Region von 2018 bis 2022 mit einer stabilen jährlichen Rate von 6,3 bis 6,5 Prozent wachsen wird.

Aus unserer Sicht gibt es verschiedene Gründe davon überzeugt zu sein, dass die Region wirtschaftlich stark und widerstandsfähig bleibt. Erstens hat die Industrieproduktion zuletzt deutlich zugelegt und wurde dabei von einer stärkeren internen sowie externen Nachfrage begleitet. Zweitens kommt Südostasien gerade in den Genuss hoher privater Binnenausgaben und eines Infrastrukturausbaus. Drittens dürfte die Wirtschaftsleistung in Indien wieder anziehen. In vielen Ländern der Region betreiben die Notenbanken zudem dank milder Inflationsbedingungen eine unverändert expansive Geldpolitik, auch wenn jüngsten Daten zufolge die steigenden Nahrungsmittelpreise erste Auswirkungen zeigen.

Gefährdet sehen wir die regionale Wachstumsstory vor allem durch eine steigende Verschuldung im Privatsektor, die derzeitigen weltweiten Bestrebungen Handelsbarrieren zu errichten anstatt sie abzubauen, regionale ins Stocken geratene Handelsabkommen sowie den Trend zu steigenden Zinsen in einigen der wichtigsten Industrieländer der Welt.

Ein weiterer Grund zur Sorge sind die höheren Ölpreise. In der Vergangenheit wirkten sich diese stets negativ auf die Staatsfinanzen einiger asiatischer Länder aus, die aus politischen Gründen nicht in der Lage waren, Preiserhöhungen weiterzugeben. Zuletzt konnten wir aber einige positive Entwicklungen in Ländern wie Indien, Indonesien und Malaysia beobachten, wo diese Subventionen inzwischen eingestellt wurden und die Benzinpreise nun folglich die globale Preisentwicklung widerspiegeln.

Die drei Länder, die wir in unseren Portfolios zurzeit bevorzugen, sind China, Indien und Indonesien:

China

Wir erwarten eine moderate und überschaubare Verlangsamung des gesamten Wirtschaftswachstums, da die Kredit- und Immobilienmärkte in China weniger dramatisch abkühlen werden als zunächst angenommen. Premierminister Li Keqiang hat auf dem diesjährigen Nationalen Volkskongress ein Wachstumsziel von rund 6,5 Prozent für 2018 verkündet. Angesichts des politischen Kapitals, das in den letzten fünf Jahren angesammelt werden konnte, ist die chinesische Führung außerdem in einer guten Position, weitere Strukturreformen durchzusetzen. Im vergangenen Jahr war für Präsident Xi Jinping das harte Durchgreifen gegen Finanzkorruption eine der wichtigsten politischen Prioritäten. Sollten die Anti-Korruptionsmaßnahmen in diesem Jahr verschärft werden, könnte sich das Kreditwachstum am Ende deutlich verlangsamen oder es zu einem ungeordneten Kreditabbau an den Finanzmärkten kommen.

Die leicht höhere Verbraucherpreisinflation wird sich positiv auf die Märkte auswirken, da sie zum einen Deflationssorgen dämpft und zum anderen das Vertrauen in die Wirtschaft stärken dürfte. Inflationserwartungen von 2,3 bis 2,5 Prozent in diesem Jahr würden unseres Erachtens jedoch nicht ausreichen, um Chinas Regierung zu einem aggressiven Vorstoß in Richtung Krediteindämmung und Zinserhöhung zu bewegen.

Am 1. März kündigte die US-Regierung von Präsident Trump an, dass sie flächendeckend Strafzölle auf die Einfuhr von Stahl und Aluminium verhängen werde. Konkret soll der Zoll auf Stahlimporte 25 Prozent und auf Aluminium zehn Prozent betragen. Diese Zölle gelten für alle Herkunftsländer bis auf Mexiko und Kanada. Was den Exportanteil betrifft, so machen Solarmodule, Waschmaschinen und sämtliche Stahl- und Aluminiumerzeugnisse zusammen nicht mehr als vier Prozent (wertmäßig) der chinesischen Ausfuhren in die USA aus und nur rund ein Prozent des Gesamtexports Chinas im Jahr 2017.

Das eigentliche Risiko besteht aber in der Möglichkeit, dass die USA eine noch aggressivere Handelspolitik verfolgen. Am 22. März verkündete die Trump-Administration zusätzliche Zölle im Wert von 60 Milliarden US-Dollar auf chinesische Produkte mit besonderem Augenmerk auf den Tech-Sektor. Chinas Retourkutsche folgte entsprechend mit Zöllen im Wert von 3 Milliarden auf vielerlei Produkte wie Schweinefleisch und Nüssen. Es bleibt abzuwarten, ob sich der Konflikt zwischen beiden Supermächten zuspitzt oder abschwächt.

Indien

Die indische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal 2017 um 7,2 Prozent und verzeichnete damit ihr stärkstes Quartalswachstum seit Mitte 2016. Dieser Erholung vorausgegangen war eine Phase erheblicher wirtschaftlicher Turbulenzen, die durch eine Blitz-Bargeldreform und die Einführung einer Waren- und Dienstleistungssteuer (Goods and Services Tax – GST) ausgelöst wurden.

Der Konsum wird wohl der wichtigste Treiber für den indischen Aufschwung bleiben. Die hohe wirtschaftliche Leistung des Agrarsektors verbunden mit den staatlichen Bemühungen, den Lebensstandard einer riesigen Landbevölkerung zu erhöhen, dürfte dabei in den nächsten Quartalen für einen ordentlichen Konsumschub sorgen. Auch die Entscheidung der amtierenden Regierung Modi, sich im nächsten Jahr mit einem höheren Haushaltsdefizit abzufinden, anstatt die öffentlichen Ausgaben drastisch zu kürzen, sollte sich als hilfreich erweisen. Die Umsetzung der GST wird zudem eine wichtige Rolle dabei spielen, große Teile der Bevölkerung von der informellen in die formelle Wirtschaft zu überführen, was letztlich wiederum zu höheren Steuereinnahmen führt.

Indonesien

Wir sind zuversichtlich, dass Indonesien 2018 sein Wachstumsziel von 5,4 Prozent erreichen wird. Als Stütze dürften sich dabei der Binnenkonsum, das Kreditwachstum und die wieder anziehenden Rohstoffpreise erweisen.

Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im vierten Quartal 2017 auf 5,2 Prozent, verglichen mit 5,1 Prozent im dritten Quartal, was einem Vierjahreshoch entspricht. Getrieben wurde das Wachstum durch Bruttoanlageinvestitionen, Konsumausgaben des Staates und den Bau. Unternehmensinvestitionen und der private Konsum tragen die Hälfte zum BIP bei. Die steigende Nachfrage ist somit ein wichtiges wirtschaftspolitisches Etappenziel, um das von Präsident Jokowi angestrebte Wachstum von sieben Prozent zu erreichen. Angaben der Bank Indonesia zufolge ist das Vertrauen der Verbraucher derzeit so hoch wie seit 2013 nicht mehr.

Während der Inflationsdruck extern zunimmt, scheint er intern unter Kontrolle zu sein. Die Produktionslücke ist weiterhin negativ und die Regierung darauf bedacht, die Energiepreise stabil zu halten. Unlängst hat der staatliche Ölkonzern des Landes die Einzelhandelspreise für ausgewählte hochwertige Benzin- und mittelwertige Dieselkraftstoffe um vier bis acht Prozent angepasst. Qualitätskraftstoffe machen lediglich rund 20 Prozent des gesamten Benzinverbrauchs aus, sodass der Effekt der Preiserhöhung vernachlässigbar sein dürfte.

Indonesien profitiert weiterhin von einer wachsenden Anlegerbasis, wie die Aufnahme von auf Rupiah lautenden Anleihen in den Barclays Global Aggregate Bond Index im Februar gezeigt hat. Dadurch ist das Land aber auch umfangreichen Auslandsbeteiligungen ausgesetzt, was den Markt wiederum anfälliger gegenüber Kursschwankungen des US-Dollars und einer allgemeinen Risikoaversion macht.

Fazit

Insgesamt gehen wir nach wie vor davon aus, dass das Wachstum in den asiatischen Schwellenländern solide bleibt. Aufgrund der generell robusten Verfassung der Binnenkonjunktur und der boomenden Handelsaktivität in der Region sehen wir zudem keine größeren Abwärtsrisiken für die Wirtschaftsprognosen – es sei denn, die US-Zölle führen zu umfassenden Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder, allen voran China.

– Von Alejandro Arevalo, Fondsmanager des Jupiter Global Emerging Markets Corporate Bond SICAV und des Jupiter Global Emerging Markets Short Duration Bond SICAV bei Jupiter Asset Management