Wir gratulieren Christoph Wehnelt zu seinem 80. Geburtstag

Christoph Wehnelt mit Bundesbankpräsident Jens Weidmann (links) im Dezember 2017 in Frankfurt – Fotos: Privat/PK

Oberstdorf (11.2.2018) – Gefeiert wurde dort, wo Christoph Wehnelt mit seiner Frau Annelie seit Jahren lebt. In Oberstdorf im Allgäu. Weil sein 80. Geburtstag nach Gottes Fügung auf einen Sonntag fiel, lud der nun Achtzigjährige, wie es sich für einen frommen Katholiken gehört, seine Gäste zunächst zum gemeinsamen Besuch der Heiligen Messe in die Pfarrkirche  St. Johannes Baptist ein, ehe es zum Geburtstagschmaus ins Hotel ging. Dort ließen die Gäste den Jubilar hochleben. — Wir würdigten ihn in unserer Rede als virtuosen Journalisten, der schon sehr früh Konventionen infrage stellte und zeitlebens gerne gegen den Strich bürstete. – Unsere Rede im Wortlaut:

Lieber Hans-Christoph,

wie viele Deiner Gäste habe auch ich mich gefragt, wie ich Dir gemeinsam mit Marita angemessen und würdig zu Deinem 80. Geburtstag gratulieren kann. Und ich habe mich entschlossen, einen Blick auf Dein journalistisches Lebenswerk zu werfen. (Aus nahe liegendem Grund, denn wir haben uns vor über 30 Jahren als Journalisten-Kollegen kennengelernt und arbeiten noch heute als solche zusammen.)

Doch wie soll man einen brillanten Journalisten wie Dich, der bereits 1988 mit dem Quand-Preis geehrt worden ist und der das Bundesverdienstkreuz am Bande trägt, wie soll man ihn ehren? — Vielleicht so? Mit einer kleinen Anekdote aus Deinem langen, langen Journalisten-Leben.

Lieber Hans-Christoph, 

durch Zufall habe ich unlängst einen Kollegen getroffen, der Dich aus der Zeit beim Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ kannte.— Ja, sehr geehrte Geburtstags-Gäste, Hans-Christoph hat nicht nur beim Hessischen Rundfunk, der Frankfurter Rundschau, sondern auch vor langer Zeit beim „Siegel“ gearbeitet. —

Irgendwann damals hatte man Dich gebeten, einen Beitrag zum Thema „Gold“ zu schreiben.  Also den Fragen nachzugehen: Lohnt es, sein Geld in Gold anzulegen? Worin besteht der Reiz des Goldes? Gilt Gold zurecht als „Krisenwährung“? — Darauf fundierte Antworten zu finden, war natürlich überhaupt kein Problem für Dich als ehrgeizigem und damals noch jungem Journalisten gewesen. — Bereits am nächsten Tag sei Dein Beitrag fertig gewesen. So erinnerte sich der ehemalige Spiegel-Kollege.— Und genau dies paßte so gar nicht in die „Spiegel“typische Arbeitswelt. — Wer wie Du gebeten worden war, sich eines Themas anzunehmen, begann beim „Spiegel“ in der Regel erst einmal damit, eine umfangreiche Recherche-Liste mit aufwendigen Reisen zu erstellen. — Umfangreich, aufwendig: diese beiden Adjektive deuten bereits an, dass die Sache, also einen Hintergrundbericht zu verfassen,  in der Regel viel Zeit erforderte. — Für einen Artikel zum Thema „Gold“ billigte man sich damals in der „Spiegel“-Redaktion einige Tage, wenn nicht sogar Wochen zu. Also, sehr v i e l mehr Zeit als Du dir – mit einem einzigen Tag – seinerzeit genommen hattest.

— Für Recherchen, fürs Schreiben und bebildern einer größeren Geschichte  einen einzigen Tag zu benötigen: das war und dürfte vermutlich noch heute „Spiegel“-interner Welt-Rekord sein. — Doch statt eines Lobs aus dem Munde des Chefredakteurs zu ernten, schlug Dir nur Argwohn und Kollegen-Mißtrauen entgegen. — Denn, so die Denke beim „Spiegel“, wer – wie Du – so schnell mit seiner Arbeit fertig ist, der kann nur schludern und Unvollständiges abliefern. — Diesem impliziten Vorwurf, widersetztest Du Dich auf Deine Weise. Du kehrtest nämlich vergleichsweise schnell dem „Spiegel“ den Rücken und gingst dann irgendwann zum Hessischen Rundfunk. Das war Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gewesen. — Und deinetwegen ging auch ich zum Hessischen Rundfunk, wo wir ein-einhalb Jahrzehnte lang zusammenarbeiteten, Du als Leiter des Wirtschaftsfunk, ich als Wirtschafts-und Börsen-Reporter.

So eigenwillig und eigenständig wie einst beim „Spiegel“ tratest Du natürlich auch beim Hessischen Rundfunk auf. Und inzwischen auch bei unserem gemeinsamen online-Nachrichten-Portal. —

Lieber Hans-Christoph,

zu Deinem 80. Geburtstag wünschen Dir Marita und ich – auch in Deiner Rolle als Journalist – noch sehr viel Ausdauer und kreative Neugierde, damit Du Deine redaktionelle Kraft und Virtuosität weiterhin entfallten kannst.

Ausdauer, Neugierde, journalistische Kraft und Virtuosität entfallten sich vermutlich am besten, wenn sie gut getränkt werden. Am besten mit Rheingauer Riesling. Und davon überreichen wir Dir acht Flaschen: jeweils eine für jedes Deiner bisherigen Lebens-Jahrzehnte. ((Und wir freuen uns schon jetzt darauf, Dir in zehn Jahren neun Flaschen Rheingauer Rieslings überreichen zu dürfen.)) 

Herzlichen Glückwunsch!

Marita und Peter                                                      Oberstdorf, 11. Februar 2018