Ernst & Young: Deutscher Neuwagenmarkt steigt 2017 auf acht-Jahres-Hoch – aber niedrigster Diesel-Marktanteil seit 2009

    

Stuttgart (4.12.17) – Peter Fuß, Partner bei EY: „Vor allem dank der Umstiegs- oder Diesel-Prämien geht es auf dem deutschen Neuwagenmarkt kräftig aufwärts: Um gut neun Prozent legten die Pkw-Neuzulassungen im November zu, nachdem sie von Januar bis Oktober nur um 2,3 Prozent gestiegen waren.“ Haupttreiber des Absatzwachstums waren wie schon im Oktober private Autokäufer, die im November knapp 16 Prozent mehr Neuwagen kauften als im Vorjahresmonat – im bisherigen Jahresverlauf hatten die privaten Neuwagenkäufe nur um 3,2 Prozent zugelegt.

Laut Fuß sind die Rahmenbedingungen auf dem deutschen Absatzmarkt derzeit sehr günstig: „Die Konjunktur brummt, die Beschäftigung liegt auf Rekordniveau, Finanzierungen sind extrem günstig zu haben. Und schließlich kurbeln hohe Rabatte und die Umstiegsprämien für alte Dieselfahrzeuge die Nachfrage zusätzlich an.“ In diesem Jahr wird nach Fuß‘ Prognose der der Absatz von neuen Pkw um knapp 3,5 Prozent auf 3,47 Millionen zulegen – „das wäre der höchste Stand seit dem Jahr 2009 und der zweithöchste seit der Jahrtausendwende. Allerdings lässt die Wachstumsdynamik nach: Im Vorjahr hatten die Neuzulassungen noch um 4,5 Prozent zugelegt.“

Verkäufe von Diesel-Neuwagen stark rückläufig

Auch im November schwächelte der Absatz von Diesel-Neuwagen: Die Neuzulassungen von Selbstzündern sanken um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. „Die Zukunft des Diesel-Antriebs bleibt ungeklärt – nach wie vor drohen Fahrverbote und sinkende Wiederverkaufswerte“, kommentiert Fuß diese Entwicklung. „Entsprechend groß ist Verunsicherung potenzieller Käufer – da gehen viele lieber auf Nummer sicher und greifen zum Benziner. Es sieht also nicht gut aus für den Diesel-Antrieb – die Nachfrage nach Selbstzündern dürfte längerfristig zurückgehen. Das ist vor allem in Hinblick auf die strengen EU-weiten CO2-Vorgaben ein Problem, die gerade von den deutschen Premiumherstellern nur mit einem höheren Diesel-Anteil in der Flotte erreicht werden können – andernfalls drohen hohe Strafzahlungen.“

Im November entschieden sich nur noch 34,0 Prozent der Neuwagenkäufer für ein Diesel-Modell – das ist der niedrigste Marktanteil seit dem Abwrackprämienjahr 2009. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank der Dieselmarktanteil damit um 10,9 Prozentpunkte – der stärkste Rückgang seit 2009. „In den vergangenen Monaten haben sich die Marktanteilsverluste des Diesel-Antriebs damit kontinuierlich und massiv ausgeweitet“, so Fuß.

Im bisherigen Jahresverlauf ergibt sich ein Rückgang des Absatzes von Diesel-Neuwagen um 12 Prozent. Umgekehrt erfreuen sich Benzin-Modelle einer stetig steigenden Nachfrage: Die Neuzulassungen von Benzin-Neuwagen stiegen im November sprunghaft um 28 Prozent und im bisherigen Jahresverlauf um 14 Prozent.

Zurückhaltender Ausblick auf 2018

Für das kommende Jahr rechnet Fuß mit einem weiter nachlassenden Wachstumstempo auf dem deutschen Neuwagenmarkt – nicht aber mit einem Absatzrückgang: „Die konjunkturellen Rahmenbedingungen dürften gut bis sehr gut bleiben, und angesichts einer immer weiter steigenden Beschäftigung und niedriger Zinsen spricht vieles für eine Fortsetzung des aktuellen Aufwärtstrends. Wenn allerdings im kommenden Jahr die Diesel-Abwrackprämien der Hersteller auslaufen, könnte das die Nachfrage etwas bremsen.“

Für den Diesel dürfte es nach Fuß‘ Einschätzung im kommenden Jahr weiter abwärts gehen: „Wir rechnen mit einem Rückgang des Diesel-Marktanteils um etwa sieben Prozentpunkte auf 33 Prozent. Entscheidend wird sein, ob es im neuen Jahr endlich Klarheit geben wird über etwaige Fahrverbote – so lange diese drohen, wird der Abwärtstrend nicht zu stoppen sein.“

Weiter steigen dürfte hingegen der Marktanteil alternativer Antriebe – allerdings auf weiter niedrigem Niveau. Die EY-Prognose geht von einer Verdopplung des gemeinsamen Marktanteils elektrisch oder hybrid betriebener Fahrzeuge von etwa drei Prozent im laufenden Jahr auf sechs Prozent im kommenden Jahr aus.

Blick ins Ausland: Absatz steigt, Diesel-Marktanteil fällt

Bislang liegen Zahlen zum November-Absatz in Frankreich, Italien und Spanien vor – und in allen drei Ländern stiegen die Neuzulassungen deutlich: in Italien um 5,7 Prozent, in Frankreich um 10,3 Prozent und im Spanien sogar um 12,4 Prozent. In allen drei Ländern sanken allerdings auch die Diesel-Verkäufe: in Italien um 0,3 Prozent, in Frankreich um 1,2 Prozent und in Spanien um 10,8 Prozent.