Commerzbank: Maschinenbau

mit deutlichem Produktionszuwachs

Frankfurt/Main (12.10.17) – Ende der Seitwärtsbewegung. Nachdem die Produktion im deutschen Maschinenbau im Durchschnitt des Jahres 2016 noch stagnierte, stieg sie im laufenden Jahr bereits sichtbar an. Für 2017 wird ein erwartetes Produktionswachstum von 2 Prozent wohl deutlich übertroffen. Auch 2018 wird sich die Produktion um mehr als 2 Prozent erfreulich ausweiten. Dies ist auf eine robuste konjunkturelle Entwicklung im Inland und der Welt zurückzuführen, ebenso auf eine sich belebende Investitionstätigkeit der Unternehmen in Anlagen und Ausrüstungen. Die Ebit-Marge wird im Branchenschnitt mit 5,1 Prozent im laufenden und den kommenden Jahren etwa konstant bleiben. Der Gesamtumsatz der Branche wird im nächsten Jahr um gut 3 Prozent zulegen. Vor dem Hintergrund zunehmender Industrialisierung werden China und andere Schwellenländer auch künftig Produkte deutscher Maschinenbauer nachfragen. „Das Geschäftsklima im deutschen Maschinenbau ist so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Trotz intensiveren Wettbewerbs liegt die Kapazitätsauslastung mittlerweile wieder bei über 85 Prozent“, so Dr. Alexander Mann, Sector Head Industrials der Commerzbank.

Die Mehrheit der deutschen Maschinenbauer sind Anbieter technisch komplexer und hochspezialisierter Systemlösungen. Die meist nicht börsennotierten Unternehmen („Hidden Champions“) sind – dank Fokussierung auf Nischen, technologischer Vorteile und Innovationsstärke – vielfach Weltmarktführer in ihren Segmenten. Die Branche ist zudem innovativ: Rund 15,5 Mrd. Euro beträgt die Höhe der Innovationsaufwendungen im laufenden Jahr. Die Implementierung von Industrie 4.0-Lösungen wird derzeit als Kernaufgabe in vielen Unternehmen angesehen, da dies letztlich auch zu einer Verbesserung der Ertragslage führen wird. Auch der Ausbau des After-Sales-Servicegeschäftes wird es den Unternehmen ermöglichen, das Geschäftsmodell auszuweiten.

Jedoch wird die Konkurrenz im Segment weniger anspruchsvoller Maschinen (sog. Mid-Tech-Segment) kontinuierlich größer, insbesondere im ostasiatischen Raum. „Für deutsche Produzenten kann es gleichwohl durchaus lukrativ sein, das Engagement im Mid-Tech-Segment auszuweiten. Dafür müssen sie Produktionskosten senken und gleichzeitig überlegenes Know-how nutzen, das viele ihrer Konkurrenten aus dem Low-Tech-Bereich noch nicht haben“, so Dr. Alexander Mann. „So können sie einen Markteintritt neuer Wettbewerber in den Mid-Tech-Bereich erschweren und Marktanteile verteidigen.“

Neben dem Maschinenbau selbst sind der Fahrzeugbau, die Metallerzeugung sowie die Baubranche wichtige Absatzfelder für die Branche. Der Hauptanteil der Exporte ging 2016 gemäß VDMA mit rund 47 Prozent in die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Größte Einzelabnehmer in der Eurozone sind bislang  Frankreich mit knapp 7 Prozent, gefolgt vom Vereinigten Königreich und Italien mit fast 5 Prozent und von Österreich und den Niederlanden mit jeweils 4 Prozent. Mehr als 10 Prozent der Ausfuhren gehen in die USA, es folgt China mit etwas mehr als 9 Prozent.

Als exportstarker Industriezweig ist der deutsche Maschinenbau in hohem Maße von der Weltwirtschaft abhängig, die mit prognostizierten 3,4 Prozent in 2017 eher moderat wachsen wird. Der Anteil des Exports liegt 2017 bei mehr als 60 Prozent des Umsatzes der deutschen Betriebe. Die Produktion an Auslandsstandorten trägt zusätzlich immer mehr zur Bedeutung des Auslandsgeschäftes der deutschen Maschinenbauer bei. „Auslandsstandorte sind ein wesentliches Element einer zielgerichteten Internationalisierungs- und Wachstumsstrategie des Maschinen- und Anlagenbaus“, betont Dr. Ralph Wiechers, Mitglied der Hauptgeschäftsführung und Chefvolkswirt des VDMA Frankfurt. „Schon heute liegt die Zahl der Beschäftigten im ausländischen Maschinenbau mit deutscher Beteiligung bei rund 400 Tsd. Personen.“

Die Unsicherheitsfaktoren der Weltwirtschaft, denen sich der Maschinenbau nicht entziehen kann, bleiben unter anderem die vermehrt auftretenden protektionistischen Tendenzen, der unsichere Verlauf der Brexit-Verhandlungen sowie die zahlreichen politischen Krisenherde wie Syrien, Nordkorea oder die Ost-Ukraine. So können die Folgen des Brexit für die Branche zwar spürbar werden, größere Wirkung könnten jedoch protektionistische Maßnahmen der neuen US-Regierung entfalten.

Gemessen an den Beschäftigten ist der Maschinenbau der wichtigste Industriezweig Deutschlands. Hier sind rund 1,03 Mio. Menschen in mehr als 6.000 Unternehmen tätig, von denen knapp zwei Drittel weniger als 100 Mitarbeiter beschäftigen – damit ist die Branche überwiegend mittelständisch geprägt. Lediglich 6 Prozent der Unternehmen haben 500 oder mehr Mitarbeiter. Diese Großbetriebe erwirtschaften mehr als 50 Prozent des Umsatzes der Branche. Dieser betrug 2016 rund 228 Mrd. Euro und lag damit um 1,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Deutschland ist mit einem Anteil von 10 Prozent der drittgrößte Maschinenbauabsatzmarkt der Welt, hinter China (38 Prozent) und den USA (14 Prozent). Deutsche Maschinenbauer spielen in nahezu allen Zweigen der Branche eine wichtige Rolle auf dem Weltmarkt. In 14 Teilbranchen wie etwa Antriebs- oder Fördertechnik, Werkzeugmaschinen oder Landtechnik belegen die Unternehmen Spitzenpositionen.