KfW Research: Rückbau der Bankfilialen in Deutschland schreitet voran – Ein Viertel der Zweigstellen geschlossen – Deutsche Filialdichte im Mittelfeld

Frankfurt/Main (8.10.17)- Die Ausdünnung der Filialnetze deutscher Banken ist in den vergangenen Jahren weiter vorangeschritten: Wie eine Analyse von KfW Research gemeinsam mit der Universität Siegen belegt, wurden seit der Jahrtausendwende ein Viertel aller Zweigstellen geschlossen – im Schnitt 680 pro Jahr und damit binnen 15 Jahren insgesamt 10.200 Standorte deutschlandweit. Alle Kreditinstitutstypen (Genossenschaftsinstitute, Kreditbanken, Sparkassen) bauen in ähnlichem Umfang ab.

Ländliche Regionen sind etwas stärker betroffen

als Städte (-27 % bzw. -23 % der Filialen). Ein wesentlicher Treiber

der Entwicklung ist die Digitalisierung, die den Bankenmarkt voll

erfasst hat: Innovative Technologien, neue Wettbewerber und

veränderte Anforderungen der Kunden erzeugen Anpassungsdruck auf den

Vertrieb – weg vom Filialnetz, hin zu Onlineangeboten.

Das Tempo des Rückbaus hat zuletzt deutlich zugenommen. Allein in den

Jahren 2014 und 2015 wurden 2.200 Filialen geschlossen. Von einer

übermäßigen Ausdünnung kann dennoch nicht die Rede sein. Die hiesigen

Banken stehen mit dem Filialrückbau nicht alleine da, die

Bankenmärkte anderer europäischer Länder unterziehen sich einem

ähnlichen Strukturwandel. Insgesamt liegt Deutschland hinsichtlich

der Filialdichte mit durchschnittlich 3,5 Zweigstellen pro 10.000

Einwohner im europäischen Mittelfeld (Durchschnitt

EU-Mitgliedsstaaten: 3,7 Filialen pro 10.000 Einwohner).

Der Trend zur Konsolidierung dürfte sich in den kommenden Jahren

sowohl europaweit als auch in Deutschland weiter fortsetzen. Neben

Kostendruck und dem Abbau von Überkapazitäten, z. B. aufgrund von

Fusionen oder in Regionen mit starkem Bevölkerungsrückgang, ist die

Digitalisierung im Bankensektor ein entscheidender Faktor dafür. Sie

sorgt mit innovativen technologischen Möglichkeiten einerseits für

den nachhaltigen Wandel von Geschäftsprozessen im Bankensektor, zum

anderen wirkt sie als Katalysator für die Veränderung des

Kundenverhaltens: Ständige Erreichbarkeit, Echtzeitberatung,

Mobilfähigkeit oder individuelle Angebote werden von mehr und mehr

Bankkunden eingefordert – auch im Unternehmenskundenbereich.

„Behalten die Banken das aktuelle Rückbautempo bei, dann würden im

Jahr 2035 gut die Hälfte der zu Jahrtausendwende existierenden

Filialen geschlossen sein“, sagt. Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der

KfW Bankengruppe. Speziell für mittelständische Unternehmenskunden,

die beratungsintensive Finanzierungen nachfragen, bleibe die Nähe zum

Bankberater jedoch wichtig. „Solange auch bei abnehmender Filialzahl

die für den Mittelstand wichtigen Bankdienstleistungen erhalten

bleiben, dürften die Folgen dieses Veränderungsprozesses für den

Wirtschaftsstandort Deutschland überschaubar bleiben“, so Zeuner.