Issing – und das erlösende Wort im Geldmuseum

Christoph Wehnelt kommentiert

Frankfurt/Main (18.5.17) – Eigentlich hätte es eine brillante Veranstaltung werden müssen. Die Bundesbank hatte eingeladen. Es sollte eine Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Sonderausstellung „60 Jahre Bundesbank in den Medien“ geben. Star des Abends war Professor Otmar Issing, Mitglied des Direktoriums der Bundesbank von 1990 bis 1998 und Mitglied des Direktoriums der EZB von 1998 – bis 2006.

Der einführende Vortrag war sehr detailliert und folglich reichlich spröde. Gratulation für die neue Vorsitzende des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten, Meike Schreiber, sie hat sich mit ihrem Grußwort hervorragend geschlagen.

Für die Podiumsdiskussion war das äußerst dröge Thema „Rolle und Aufgabe der Zentralbank-Kommunikation“ vorgegeben, statt dass man gesunde Rückbesinnung betrieben hätte, nach dem Motto: „Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wieder haben“ oder ganz einfach: Wie viel geordneter war doch unser monetäres Umfeld, als die Deutsche Bundesbank noch von Emminger bis Schlesinger regiert wurde. Der FAZ-Herausgeber (Diskutant Holger Steltzner) kam mit „Rolle und Aufgabe“ überzeugend zurecht. Er suchte den aktuellen Ansatz. Der Moderator der TU Dortmund und der Spiegel-Chefredakteur haben sich bei dem Thema etwas verloren gefühlt.

Einer von ihnen sagte unvorsichtigerweise: „Die Bundesbank macht nun wirklich nicht mehr die deutsche oder gar europäische Geldpolitik.“ Der Satz war so überwältigend, dass es im Auditorium einige Sekunden ganz still wurde. Durch diese hohle Gasse platzt einer der Unverbesserlichen mit der knappen Bemerkung: Leider! – Der gesamte Saal freute sich und lachte unbändig laut. Issing ganz unverhohlen auch. – Da wurde allen  klar, worüber die Leute gerne über damals und heute gesprochen hätten. Insofern funktionierte die Kommunikation. CW

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