„Kreditbanken bauen ihr Geschäft in 2016 weiter aus:

Online-Finanzierungen wachsen um 23 Prozent“

Frankfurt/Main (20.4.17) – Die auf Finanzierungen spezialisierten Banken haben im vergangenen Jahr ihre Kreditvergabe an Unternehmen und Verbraucher erneut gesteigert und ihre Marktstellung ausgebaut. Sie verliehen neue Kredite im Wert von insgesamt 141,3 Milliarden Euro und haben damit das Vorjahr um 9,2 Prozent übertroffen. Dies erklärte Jan W. Wagner, Vorstandsvorsitzender des Bankenfachverbandes, vor Journalisten in Frankfurt.

Digitalisierung bietet Chancen fürs Kreditgeschäft Die höchsten Zuwächse verzeichneten die Verbandsmitglieder bei Privatkrediten, die online angebahnt werden, mit einem Plus von 22,9 Prozent. Die Kreditbanken nutzen mit Kredit-Apps und der Kundenidentifizierung per VideoIdent neue Mittel, um die steigenden Bedürfnisse der Verbraucher zu erfüllen. „Die Digitalisierung bietet gute Wachstumschancen für Anbieter von Finanzierungen“, sagte Wagner. Entsprechend haben die Kreditbanken die Zahl ihrer Filialen um fünf Prozent auf 1.900 reduziert und ihre Belegschaft um elf Prozent auf über 45.000 Personen vergrößert. Im Hinblick auf die Gesamtmärkte der Finanzierung verwies Wagner auf eine eher stabile Entwicklung.

Gesamtmarkt für Privatkredite bleibt konstant Ende 2016 lag der bundesweite Bestand an Krediten für Privatpersonen ohne Baufinanzierungen bei 231,2 Milliarden Euro. Dieser Wert ist seit über zehn Jahren stabil mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 0,1 Prozent. „Die Privatverschuldung bewegt sich auf konstantem Niveau“, erläuterte Wagner und ergänzte: „Konsumkredite werden aber zunehmend von spezialisierten Instituten vergeben“. Knapp die Hälfte der privaten Finanzierungsdienstleistungen wird inzwischen von Kreditbanken erbracht. Vor zehn Jahren lag dieser Anteil bei lediglich einem Viertel.

Kreditbanken wachsen in allen Geschäftsfeldern Zuwächse sahen die Kreditbanken nicht nur bei privaten Finanzierungen, die insgesamt um 12,2 Prozent anstiegen, sondern auch bei gewerblichen Krediten mit einem Plus von 7,0 Prozent. Die wichtigsten Finanzierungsgüter sind nach wie vor privat sowie gewerblich genutzte Kraftfahrzeuge vom Motorrad bis zum Lkw. Die Kreditbanken finanzierten im vergangenen Jahr insgesamt 1,9 Millionen Kfz per Kredit, darunter 1,1 Millionen Gebrauchtwagen.

Entspannte Risikosituation kompensiert Margendruck Mit Sorge schaute Wagner auf die anhaltende Niedrigzinsphase. „Die Margensituation ist zwar weiterhin angespannt, aber das Risiko liegt auf historisch niedrigem Niveau“, so der Verbandschef. Rund 98 Prozent aller Konsumkredite werden ordnungsgemäß zurückgezahlt. Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und die weiterhin rückläufige Zahl der Verbraucherinsolvenzen sorgen für geringe Kreditausfälle. Im gewerblichen Kreditgeschäft und in der Kfz-Finanzierung liegen die Ausfallraten sogar deutlich unter einem Prozent. „Die Risikosituation ist entspannt“, sagte Wagner.

Neues Gesetz erschwert Konsumfinanzierungen Eine gesetzliche Neuregelung könnte bald den Abschluss von Verbraucherkrediten erschweren – insbesondere am Point of Sale. Gemäß dem Steuerumgehungsbekämpfungsgesetz, das Ende April verabschiedet werden soll, müssen Banken künftig für alle Konten die Steuer-Identifikationsnummer ihrer Kunden erfassen. Da auch Kreditkonten als Konten gelten, müssten künftig alle Verbraucher, die im Handel eine Ware finanzieren wollen, ihre Steuer-ID parat haben. „Das im Ansatz sinnvolle Gesetz trifft die Falschen“, kritisierte Wagner. Im Visier sind eigentlich Briefkastenfirmen in Steueroasen. „Wer eine Waschmaschine finanziert, plant damit keine Steuerumgehung“, so Wagner. Der Bankenfachverband fordert daher, Kreditkonten von der geplanten Neuregelung auszunehmen.

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